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18. November 2013 | 00.00 Uhr

Kleve

Neue Passivhäuser: Stein statt Styropor

 

Christiane Behrens mit Thomas Euwens von Reppco und unterschiedlichen Steinen. FOTO: Gottfried Evers

 

Kleve. Am Rathausbau in Kleve entzündete sich die Diskussion um Passivhäuser: Die komplette Klimaschutzsiedlung wird mit diesem Typ bebaut. Aber mit Stein, statt Styropor, sagt Planerin Christiane Behrens von Reppco. Von Matthias Grass

Putz und Steinflächen wechseln sich ab, geben dem Riegel Reihenhäuser einen Rhythmus. Große Fenster schauen auf die Gärten, Holz im Parterre und als Schiebe-Läden sorgt für einen angenehm warmen Farbton in den klar und einfach geschnittenen Haustypen. Es ist eine modern-zeitgemäße Architektur, die die Klever Reppco-Architektin Christiane Behrens für die Baufelder der Klimaschutzsiedlung Mühlenberg gezeichnet hat, die an den Klever Generalunternehmer gegangen sind. Alle Häuser werden in Passivhaustechnik gebaut. Das hat bei Reppco Tradition, Geschäftsleiter Thomas Euwens gehört im Kleverland zu den Pionieren in Sachen Energiesparhäusern.

Doch mit der umstrittenen Planung einer Fassade aus Wärmedämmverbundsystem (WDVS) für das Klever Rathaus entbrannte auch die Diskussion um Passivhäuser, die bis dato mit eben dieser Fassade ausgestattet waren. Es sei nicht richtig, dass Passivhäuser automatisch in Styropor verpackt sein müssen, erklärt Euwens. "Wir bauen die Passivhäuser am Mühlenberg aus Stein", sagt Christiane Behrens, Reppco-Architektin. Zu Beleg hievt Euwens diverse große Steine auf den Besprechungstisch: rot gebrannter Ton mit ganz vielen Luftkammern, daneben ein Stein, der mit Porensteinchen gefüllt ist, ein weiterer, dessen Kammern mit Mineralwolle gefüllt sind. Es sind Steine, so erklärt Euwens, die Dämmwerte für Passivhäuser erreichen und trotzdem einen vergleichsweise schlanken Wandaufbau ermöglichen. Zudem haben sie die Tragfähigkeit als Außenwand.

Alle Steine haben eine deutlich längere Gewährleistung als die Styroporfassaden. Und sie können, sollte das Haus abgerissen werden, einfach in den Schredder geschickt werden, erklärt Euwens. Styropor muss dagegen aufwendig recycelt werden. Heute seien diese Steine alle Planblöcke, die geklebt werden, also leicht und zügig zu verarbeiten sind. Außen werden die Steine verputzt, können mit einem Klinker versehen oder mit Klinkerriemchen beklebt werden. "Das ist letzten Endes eine Preisfrage", sagt Euwens. Für das Mauerwerk liegt der Preis zwischen 192 (verputzt) und 252 Euro (mit Riemchen) je Quadratmeter. Inzwischen baut man sogar Passivhäuser mit ganz klassischen Wandaufbauten: innen Bimsstein, dazwischen Mineralwolle, außen ein Klinker-Verblender. Fast wie in den 1950er Jahren. Das kostet in Passivhaus-Qualität 246 Euro je Quadratmeter. Zum Vergleich: Ein Haus mit WDVS-Fassade kostet zwischen 151 (verputzt) und 226 Euro (mit Riemchen) je Quadratmeter.

„Eine Fassade mit dem Styroporsystem ist preislich kaum zu schlagen. Auch können wir bei Altbausanierungen nicht auf WDVS verzichten, wenn man sehr hohe Dämmwerte erreichen will", sagt Euwens. Deshalb solle man sich hüten, die Styroporsysteme in die "Schmuddelecke" zu stellen. Baue man eine Beton-Ständerkonstruktion (so wie das Rathaus oder der Reppco-Bau auf der Stechbahn), sei das WDVS-System in der Regel die deutlich günstigere Version.

Es sei denn, so fachsimpelt er, dass man hochfestes Dämm-Material verbaut. Das liegt nämlich preislich auf dem Niveau von Klinkern, bestätigt Euwens. Wer also dieses teure, hochfeste Material ausgeschrieben hat, kann das ohne große preisliche Verrenkungen durch Klinker ersetzen . . .

Quelle: RP